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TOR oder HELD?Zum Jahrtag Josef Mayr Nussers im Anno neun
Gedenkjahr 24. Februar 1959
Keine anrüchige EidverweigerungEs sind auch andere Fälle von Südtirolern bekannt, die aus religiösen Gründen den Eid auf die SS verweigerten, nicht aber jenen auf die Wehrmacht. Sie fanden aber vernünftige Vorgesetzte, die insgeheim ihre Aufrichtigkeit und ihren Mut bewunderten und sie der Wehrmacht überwiesen. Es gab und gibt aber auch Leute, die grundsätzlich nicht mit der Waffe kämpfen wollen und erklären, aus Gewissensgründen den diesbezüglichen Eid zu verweigern. Das ist heute sogar gesetzlich in Deutschland zulässig. Unter diesen gibt es gewiss manche, besonders gutgläubige Anhänger gewisser fanatisierter Sekten, die tatsächlich den Eid aus Gewissensgründen verweigern. Bei anderen mag auch Feigheit oder die Hoffnung auf bequemere Dienstleistung mitspielen, so das der Begriff „Eidverweigerer“ etwas anrüchig sein kann. Zeitungsberichte, die in der Vergangenheit hie und da Mayr einfach als Eidverweigerer bezeichneten, tun Josef Mayr Nusser Unrecht. Er verweigerte nicht den Eid auf die Wehrmacht. Wir müssen dem "Spieß" von Konitz dankbar sein, daß er dies klargestellt hat. Es waren eben r e l i g i ö s e Gründe, die es Mayr unmöglich machten, den Eid auf die SS abzulegen. Religiöse Gründe verboten ihm aber nicht, den Soldateneid auf die Wehrmacht abzulegen, da nach beachtlicher Auffassung jeder faktisch die Hoheit ausübende Staat einen solchen Eid verlangen kann. Bei solchen Diensteiden gilt aber nach allgemeiner katholischer Sittenlehre der Vorbehalt, dass der Eid nur insofern bindet, als nicht Leistungen verlangt werden, die mit den Gesetzen Gottes und der Kirche unvereinbar sind. Keine politische AngelegenheitJosef Mayr-Nusser war gewiß, wie die meisten seiner mit ihm nach Konitz eingezogenen Kameraden kein Nationalsozialist. Seine Einberufung zu der SS war eine offenkundige Verletzung der Menschenrechte und des Völkerrechtes. Er war mit gleichgesinnten Kameraden - manche aus ihnen vermuteten Absicht dahinter - gegen seinen Willen zu einer Parteimiliz gesteckt worden, deren letzter Sinn und Zweck es war, der nationalsozialistischen heidnischen Weltanschauung zum Siege zu verhelfen, wenn diese Tendenz auch in den Zeiten vor Kriegsende nicht mehr so hervortrat. Die Eidverweigerung auf die SS war also kein Verbrechen, sondern ein Recht. Obwohl der Kompaniechef sich verwundert zeigte, dass man ihm nicht hundertprozentige Nationalsozialisten geschickt hatte, muß er das wohl gewußt haben. So kam es zwar während des Exerzierens am gleichen Tage zu Wutausbrüchen und Drohungen mit dem Erschießen, aber erst abends zur Verhaftung Mayrs. Um sie zu begründen, musste Mayr ein politisches Motiv untergestellt werden. Und siehe, wie einst für Andreas Hofer und für Peter Mayr, so fand sich auch für ihn ein Angeber. Einer in der Kompanie sagte jetzt auf einmal aus, Mayr hätte vor Wochen die Aeußerung getan, der Krieg sei doch schon verloren oder ähnlich. Diese Aeußerung wurde von anderen einvernommenen Zeugen nicht bestätigt Desungeachtet wurde Anklage auf Wehrmachtzersetzung erhoben. Um vielleicht noch weitere Beweise für „Wehrmachtzersetzung" zu erlangen, falls andere Südtiroler dem Beispiel Mayrs folgten, als von ihm beeinflußt, ließ der Kompaniechef spät abends die Kompanie antreten und forderte tage darauf alle auf, vorzutreten, die den Eid nicht leisten könnten oder wollten. Es trat niemand vor. Trotzdem wurde Mayr nach Danzig in das Untersuchungsgefängnis der SS wegen "Wehrmachtzersetzung" eingeliefert. Hätte er den Eid geleistet, wäre diese unbegründete und, wenn schon, seit einem Monat fällige Anklage nicht erhoben worden! Das vor einiger Zeit von interessierter Seite herumgebotene Gerücht, der Fall Mayr sei nur eine politische, nicht aber eine religiöse Sache gewesen, erweist sich so als eine Verleumdung seines Andenkens. Josef Mayr litt in Danzig sehr, für religiöse Fragen bei seinen Mitgefangenen kein Verständnis zu finden. Zum Prozess scheint es nicht gekommen zu sein. Die Russen rückten heran. Mayr sollte mit einem Strafgefangenentransport nach Dachau gebracht werden. In Erlangen blieb der Transport länger stehen. Dort starb am 24. Februar 1945 Josef Mayr Nusser im Strafgefangenenwaggon. Der Sezierungsbefund des Pathologischen Institutes der Universität Erlangen bezeichnete als Hauptleiden und Todesursache: H u n g e r ö d e m. Eine Torheit?Hätte das so kommen müssen? Oberflächlich gesehen mag es als eine Torheit erscheinen, daß Mayr nicht auch den Eid geleistet hat wie seine Kameraden. Tatsächlich kann diesen Männern, w en n ihr Gewissen ihnen den Eid nicht eindeutig verbot kein Vorwurf eines gottwidrigen Verhaltens gemacht werden. In Wirklichkeit haben viele von ihnen keinen gültigen Eid abgelegt: denn m einem Eid gehört wesentlich die Absicht, den allwissenden und wahrhaftigen Gott zum Zeugen anzurufen. Deshalb ist ein Meineid eine sehr schwere Sünde gegen Gott. Diese Absicht hat gefehlt. Sie betrachteten den Eid nur als ein unfreiwilliges „Muß" oder als eine leere Zeremonie. Ihr Eid war nur ein Scheineid. Andere wieder durchschauten nicht das Antichristentum des NS und die Gefährlichkeit ihrer Bindung mit ihm durch die SS. Wieder andere machten beim Schwören vielleicht den Vorbehalt, lieber das Leben zu verlieren, als einen Befehl auszuführen, der gegen Gottes Gebote ist. Mayr-Nusser hat die Sache anders angesehen. Als religiös durchgebildeter Mann, hauptsächlich mit Hilfe des späteren Schulamtsleiters H. H. Ferrari, sel., wusste er, dass auch ein durch Gewalt oder schwere Furcht erzwungener ernstlich abgelegter Eid verpflichtet (wie es im Kirchenrecht ausdrücklich festgelegt ist) und dass es die Höhe des Frevels gegen Gott ist, Ihn zum Zeugen anzurufen, daß man verspricht, auch Verbrechen zu begehen, wenn sie anbefohlen werden. Er wußte, daß ein unerlaubter, Eid von einem Katholiken verweigert werden muß. Daß aber ein mit vollem Bewußtsein der sittlichen und religiösen Tragweite auf die SS abgelegter Eid unerlaubt war, wird kein gläubiger Katholik in Abrede stellen können. Irrtum?Papst Pius XI. erklärte in seinem Rundschreiben vom 29. Juni 1931 den Eid des Gehorsams, so wie er von den Mitgliedern der faschistischen Organisationen verlangt wurde, als unerlaubt, weil ihnen Anordnungen gegeben werden konnten "einer Revolution zu dienen, welche der Kirche und Jesus Christus die Jugend entreißt und ihre jungen Kräfte zum Haß und zur Gewalttat.... erzieht. Da der Papst aber sehr wohl wußte, "daß Mitgliedskarte und Eid für sehr viele Vorbedingungen für die Laufbahn, für das Brot und für den Lebensunterhalt" waren, so hat er nach einem Mittel gesucht, der großen Gewissensnot dieser Gläubigen abzuhelfen. Er fügte deshalb hinzu: "Uns will es scheinen, als könnte ein solches Mittel für die bereits Eingeschriebenen darin bestehen, dass sie vor Gott und dem eigenen Gewissen den Vorbehalt machen: Unbeschadet der Gesetze Gottes und seiner Kirche' oder auch `Unter Wahrung der Pflichten eines guten Christen' und hiermit den festen Vorsatz verbinden, einen solchen Vorbehalt auch nach außen zu bekennen, wenn sich dafür, eine Notwendigkeit ergeben sollte." Der Papst zeigte da einen Ausweg, den auch Mayr anscheinend hätte beschreiten können. Denn er war mehr gezwungen als die Schwarzhemden. Bei ihm stand ja das Leben und die Familie auf dem Spiel. Er scheint also einem furchtbaren Irrtum zum Opfer gefallen zu sein. Ja, noch mehr! Auf die unberechtigte und ungerechte Eidforderung hätte er mit einem Scheineid antworten können, um sich durch nichts an die SS zu binden. Ein Scheineid ist zwar fast so verabscheuungswürdig wie ein Meineid, wenn von der Obrigkeit oder dem Gesetze ein Eid auferlegt wird. Wenn aber ein Eid ungerecht abgenötigt wird von Leuten, die kein Recht haben, den anderen zum Sprechen zu zwingen, so ist, wenn keine Glaubensbekenntnispflicht besteht, das, was der also rechtswidrig Gezwungene unfreiwillig sagt, überhaupt kein "Mitteilen" oder "Sprechen“ mehr, auch kein "Anders Reden, als man denkt", worin die Lüge besteht, - und erst recht kein Eid. So lehren Moraltheologen von Weltruf. Der Fall ist z. B. gegeben, wenn ein Verbrecher unter Todesdrohung jemanden zwingt zu schwören, ihm Geld zu liefern oder ein verbindliches Geheimnis preiszugeben, oder wenn im Kriege ein Kriegsgefangener gezwungen wird zu schwören, gegen sein Vaterland tätig zu sein. Auch die SS in Konitz hatte als Parteimiliz kein Recht von Mayr den Eid des Gehorsams gegen seinen Willen abzufordern. Und trotzdem wählte Mayr weder Scheineid noch Vorbehalt, um sein Leben zu retten. „Zeuge sein"Diese Entscheidung faßte er nicht aus einer vorgefaßten Meinung, nicht aus einem Fanatismus oder einer Nervosität heraus. Sie war die Frucht eines langsamen, ruhigen Ringens mit sich selbst, wie aus seinen Briefen und Aeußerungen hervorgeht. Besonders war er vorn Beispiel des heiligen englischen Lordkanzlers Thomas Morus beeinflußt, der durch seine Verweigerung des Suprematseides ein Martyrer, des Gewissensentscheides wurde. Doch wohlwissend, daß selbstherrliche Gewissensbildung auch irre gehen kann, war er bereit, von der herangereiften Entscheidung abzustehen, wenn sich ein katholischer Priester fände, der ihm klarläge, dass er dazu nicht verpflichtet sei. Der Priester fand sich nicht. Ihm aber kam es in Konitz voll zum Bewußtsein und erlebte er für seine Person, was, um Worte Papst Pius XII. zu gebrauchen, der NS in Wirklichkeit war: der hochmütige Abfall von Jesus Christus, die Verneinung seiner Lehre und seines Erlösungswerkes, der Kult der Gewalt, die Vergötzung von Rasse und Blut, die Unterdrückung der menschlichen Freiheit und Würde.“ Er hing mit ganzer Seele an Frau und Kind und Heimat und es nagte, wie er am 27. September aus Konitz berichtete, am schwersten an seinem Herzen, durch sein Bekenntnis im entscheidenden Moment vielleicht auch seine Familie in zeitliches Unglück zu stürzen. "Dieses Bekennenmüssen", schrieb er, "wird sicher kommen, es ilst unausbleiblich, denn zwei Welten stoßen aufeinander, zu deutlich haben sich Vorgesetzte als entschiedene Verneiner und Hasser dessen gezeigt, was uns Katholiken heilig und unantastbar ist.“ und erklärt dann "lieber sein Leben zu verlieren als den Weg der Pflicht zu verlassen". Es war tatsächlich der Weg der Pflicht, die ihn zu seinem schweren Schritt bestimmte. Um seine Einstellung besser zu verstehen, ist es gut, in der „Jugendwacht“ 1938, Nr. 1, den Artikel "Zeugen Seiner Herrlichkeit" nachzulesen, den Josef Mayr, als 27jähriger und als Diözesanführer der Katholischen Jugend geschrieben hat. Darin sagt er u. a. : „ Wir (junge Christen) täuschen uns nicht. Um uns ist Dunkel. Das Dunkel des Unglaubens, der Gleichgültigkeit, der Verachtung, vielleicht der Verfolgung. Dabei sollen wir Zeugnis geben und durch das Licht Christi dies Dunkel überwinden, trotz aller Angriffe, bei allem Ungehört und Unbeachtetsein. Zeugnis zu gehen, ist heute unsere einzige schlagkräftigste Waffe. Seltsam genug. Nicht Schwert, nicht Gewalt, nicht Geld" nicht einmal der Einfluß geistigen Könnens, geistiger Macht, nichts von alldem ist uns als unerläßlich geboten, um die Herrschaft Christi auf Erden aufzurichten. Etwas ganz Bescheidenes und doch Wichtigeres hat uns der Herr geboten: Zeugen zu sein ... Dies schlichte, einfache S ein. Das ist das größte Zeugnis." In Konitz ging es für Mayr um dieses Zeuge sein. Nicht sosehr seine Stellung zum Eid als vielmehr die bezeugende Bekenntnispflicht liefert den Schlüssel zum Verständnis der Größe Josef Mayrs. Einer seiner Kameraden steht dafür gut, daß Mayr nicht allein geblieben wäre, wenn man von ihnen den Austritt aus der Kirche gefordert hätte. Für Mayr, der tiefer sah, war nach seinen Erfahrungen in Konitz der Fall schon. gegeben. Für sein Gewissen war der Eid des unbedingten Gehorsams, sei es auch nur zum Scheine, Leuten gegenüber, deren Verhalten eine Leugnung des wahren Gottes war (noch am Vereidigungstag wurde laut Zeugenbericht, den Männern ein falscher Gottesbegriff gepredigt) ein Ja Sagen zum Unglauben, eine Verleugnung jener Bekenntnispflicht, die von Christus selbst auferlegt ist, die sich durch keinen Vorbehalt, durch keinen Schein umgehen läßt. Das kirchliche Gesetzbuch umreißt diese Pflicht mit den Worten: „Die Christgläubigen sind gehalten, den Glauben offen zu bekennen. sooft ihr Schweigen, ihre Verstellung oder ihre Handlungsweise einer versteckten Verleugnung des Glaubens, der Verachtung der Religion, einem Unrecht Gott gegenüber oder einem Aergernis für den Nächsten gleichkommt." Vorbildlicher MutDieser Zeugnispflicht auch nicht zum Scheine auszuweichen, ist der Ruhm aller Märtyrer. Angefangen vom greisen Eleazar im Heldenbuch der Makkabäer, der den gutgemeinten Rat nur zum Scheine verbotenes Opferfleisch (durch Unterstellung erlaubten Fleisches) zu genießen, um einem qualvollen Tode zu entrinnen, entrüstet zurückwies: da würde ja die Jugend durch sein schlechtes Beispiel getäuscht, bis zu den Märtyrern des christlichen Altertums, denen öfter Freunde rieten, nur zum Schein das Weihrauchkorn in die Opferschale des Götzenbildes zu werfen und so ihr Leben zu retten. Nun, an Josef Mayr war nicht die ausdrückliche Forderung eines Abfalles vom Glauben gerichtet worden. Wohl aber war von ihm ein Eid gefordert worden, der, wenn er von ihm auch nur zum Schein geleistet worden wäre, nach seinem Wissen und Gewissen, einer Verleugnung seines ganzen bisherigen Christentums gleichgekommen wäre. Josef Mayr wusste, daß, es sind wieder Worte Papst Pius XII., "viele auch außerhalb Deutschlands bis 1937 von der Unverträglichkeit der nationalsozialistischen Weltanschauung mit der christlichen Lehre, die Augen verschlossen hatten" und daß, wo es zweckdienlich war, diese Unverträglichkeit besonders sorgfältig getarnt wurde, weshalb vielfach die Größe der Gefahr für den Glauben nicht erfaßt oder bei Aufklärung die psychologische Voraussetzung für eine solche Erkenntnis fehlte. Im erwähnten Artikel gab er der Meinung Ausdruck, der Mensch von heute lasse sich nur überzeugen durch die Tat, durch das "Zeuge sein". Ueber jedes Massenmenschentum erhaben, erklärt er in Konitz einem Kameraden ungefähr: "Wenn nie jemand den Mut aufbringt, ihnen zu sagen, daß er mit ihrer NS Weltanschauung nicht einverstanden ist, dann wird es nicht anders." Wenn er, der ehemalige Führer der Katholischen Jugend, der Apostel des Zeuge sein Müssens bei seiner klaren Einsicht, offenkundigen Christusfeinden im Ernst oder zum Schein geschworen hätte, alles zu tun, was sie wollten, dann hätte er gegen sein Gewissen gehandelt, wäre der ihm offenkundig von oben zugedachten B e r u f u n g, Bekenner zu sein, untreu geworden und hätte den Glauben verleugnet. Im Geiste derer von Anno neunEs gab auch andere Südtiroler, welche dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen: W. Pfaundler führt in seinem ergänzungsbedürftigen Beitrag zu seinem Sammelwerk „Südtirol“ weitere 20 Namen an. Man weiß aber nicht, ob und wieweit bei den einzelnen religiöse Motive mitgespielt haben. Anläßlich der 150 Jahr Feier hat einer unserer Volksvertreter in einer Wochenzeitung eindrucksvoll den Südtiroler Bauernknecht Richard Reitsamer als Held der Wahrhaftigkeit dargestellt. Obwohl sicher untauglich, weigerte sich Reitsamer, sich der Musterung zu stellen und erklärte vor Gericht, als gläubiger Katholik nicht für Hitler zu kämpfen. Dies wegen des Papstwortes, daß mit dem Frieden alles gewonnen und mit dem Krieg alles verloren sei. Er wurde am 11. Juli 1944 in Haslach erschossen. Instinktmäßig dürfte der einfache Bauernknecht aus der gleichen Gesinnung heraus gehandelt haben wie Josef Mayr. Doch ist seine Folgerung aus dem Papstwort nicht stichhältig und sein Verhalten nicht so abgeklärt wie jenes des Nusser Sohnes. Mayr Nussers Opfer und Größe schließt in sich die Größe des Opfers des Soldaten, der im. Dienste der Gemeinschaft des Vaterlandes sein Leben hingeben muß ohne Rücksicht auf seine Familie. Josef Mayrs Größe, der den Schein eines unerlaubten Eides vermied. schließt in sich die Größe eines Peter Mayr, der "mit einem Schilde der Gewissenspflicht und Wahrheitstreue gepanzert" (J. Hirn), nicht einmal mit dem Schein der vom General d'Hilliers ihm angebotenen Lüge, sein Leben erkaufen wollte. Sie schließt auch die Größe eines Andreas Hofer ein, der eigentlich infolge des Kulturkampfes am rechten Passerufer in den Jahren 1807/08 sich angetrieben fühlte, für die Erhebung Tirols zu kämpfen und dabei ständig offen seinen religiösen Glauben zu bekennen. Alles überragt aber die Übernatürlich gesehene Größe Josef Mayrs: Ein Held der Wahrheit, ein Held der Heiligkeit des Eides, ein Held des bekennenden Glaubens ein Vorbild für die Jugend Südtirols! Einer eigenartigen Fügung ist es zu danken, daß die Leiche des Strafgefangenen in Erlangen, wo die Luft damals dick war, nicht in der Anatomie verschwunden ist, sondern im Heldenfriedhof bestattet wurde. Vor einem Jahre wurden die Gebeine des großen Toten mit Ministerialerlaubnis im Sinne eines Abkommens zwischen Italien und Deutschland in die Heimat Überführt. Seine endgültige Ruhestätte soll Josef Mayr Nusser in Lichtenstern erhalten, inmitten der katholischen Jugend, deren Führer er war. Er hatte einst geschrieben: "Wir werden Zeugen Christ! am heiligen Quell der Altäre. Auf ihnen liegt Christi Wort und Leib. in ihnen liegen die Gebeine jener, die Zeugen Christi waren bis ans Sterben." Unweit dem Altar, aus dem die Jugend Kraft schöpft, in den Wechselfällen des Lebens, Christi Zeuge zu sein, im Vorbau der St. Josefs-Kirche in Lichtenstern soll Josef Mayr ruhen und weiter stille Zeugschaft ablegen. Dr. T K. |